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Gibt es ein Leben ohne den Regenwald-Killer Palmöl?

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Am Anfang, muss ich zugeben, war ich sehr naiv. Ich hatte von Palmöl gehört, aber ich wusste nicht genau, was das ist und wofür man es braucht. Genau das war in dieser Woche meine Aufgabe: mehr über das ominöse Öl herausfinden und schauen, ob ich auch ohne leben kann.

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Wenn man sich mit Palmöl beschäftigt, wird man zwangsläufig überrascht sein, wo es überall drin ist. Im Essen, aber nicht nur in Schokoladencremes, sondern auch in trockenen Brezeln, Suppen, Keksen, Müsli oder Margarine. Kosmetika sind voll von Palmöl, Kerzen auch. Die chemischen Eigenschaften des Öls machen es ideal für die Produktion von Tensiden in Waschmitteln.

Außerdem ist Palmöl billig. Es ist sogar das billigste Pflanzenöl auf dem Markt. Deshalb findet man Palmöl auch im Tierfutter. Man könnte also sagen, dass beinahe jedes Stück Fleisch, das man isst, ein Palmöl-Produkt ist. Oder man denke an Benzin. Es ist nicht zwangsläufig Rapsöl, das da im Motor verbrannt wird, es ist ebenfalls Palmöl.

Schauen wir uns mal ein paar Zahlen an...

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Der weltweite Palmölverbrauch lag 1995 noch bei 14,6 Millionen Tonnen im Jahr. 2016 lag er schon bei 63 Millionen Tonnen und die Tendenz ist steigend.
Zu 1970 ist der Vergleich noch einmal beeindruckender. Damals lag die globale Palmölproduktion bei nur knapp 1 Million Tonnen.

Nur etwa jede vierte Tonne Palmöl, die nach Europa importiert wird, stammt aus zertifiziert nachhaltigem Palmöl.

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Aber warum muss mich das interessieren? Es scheint doch, dass Palmöl ein sehr beliebtes Pflanzenöl ist. Beliebt sind auch andere Öle. Was ist hier anders?

Das Problem liegt eher in den Auswirkungen, die die Ölproduktion mit sich bringt. Da werden riesige Regenwälder abgeholzt und Monokulturen angebaut. Die sind zwar auch grün, weil die Ölpalmen halt grüne Blätter haben. Aber Artenvielfalt bieten sie nicht mehr. Die Auswirkungen auf die Ökosysteme der Hauptanbauländer sind verheerend, erfahre ich bei der Recherche.

Ich sehe Bilder von leeren Flächen, wo früher saftiger Regenwald war. Ich sehe auch den Einsatz von Pestiziden. Alles ist auf Profit getrimmt.  

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Ich muss wissen, wo überall Palmöl drin ist, um zu verstehen. Am Anfang spreche ich deshalb mit Franziska Grammes von Codecheck. Codecheck ist eine App, die über eine Datenbank weiß, was in den Produkten ist, die wir kaufen. Sie erkennt auch Palmöl.

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Zu meiner Überraschung habe ich in meinem Haushalt fast keine Lebensmittel gefunden, die Palmöl enthalten. In der Kosmetik allerdings schon. Ohne die App wäre es schwer geworden, Palmöl zu identifizieren, weil nur selten tatsächlich Palmöl in den Zutaten steht. Stattdessen findet man oft Bezeichnungen wie Pflanzenöl, Palmate, Palmitate, aber auch viele andere mehr.

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Codecheck unterscheidet zwischen gutem und schlechtem Palmöl. Gut bedeutet "zertifiziert." Diese Zertifizierung ist wahrscheinlich die wichtigste und umstrittenste Frage in der Diskussion. Den Unterschied muss ich besser verstehen.

Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Palmöl gibt es verschiedene Ansätze. Viele Parameter werden in die Berechnung einbezogen: Ist das Palmöl in einer Monokultur produziert worden, oder bleibt der Regenwald unberührt? Welche Dünger werden in welchem Umfang verwendet? Werden Pestizide verwendet? Gibt es unterschiedliche Produktionsstandards für unterschiedliche Märkte? Und was haben die Bauern davon? Können sie vom Ertrag ihrer nachhaltigen Ernte leben?

Der WWF hat den bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Zertifizierungsstandard ins Leben gerufen, den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO). Der Standard wird von vielen großen Namen auf dem Markt unterstützt, darunter auch Supermarktketten.

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Und Palmöl wird vor allem in Asien verwendet. Kein Land verbraucht mehr als Indien: 10,4 Millionen Tonnen. Danach folgt Indonesien mit 9,1 Millionen Tonnen. Im Vergleich dazu mutet die Europäische Union geradezu bescheiden an. Sie braucht insgesamt im Jahr 6,5 Millionen Tonnen.

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Laut WWF liefert ein Hektar Anbaufläche 3,3 Tonnen Palmöl, aber nur 0,4 Tonnen Soja oder 0,7 Tonnen Kokos. Weil andere Pflanzen den Ertrag nicht schaffen, sagt der WWF, müssen wir den Verbrauch deutlich senken.

Wäre es nicht möglich, zumindest in Europa, Palmöl gegen ein anderes, einheimisches Öl auszutauschen, habe ich Ilka Petersen vom WWF gefragt. So einfach sei das nicht, sagt sie. Es gibt einfach nicht genug Platz.

Doch, sagen die Kritiker des WWF Konzepts: Sven Selbert ist einer von ihnen. Er arbeitet bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood.

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Also, laut Robin Wood, ist der Umstieg auf Rapsöl potentiell möglich. Man muss allerdings Land dafür freimachen. Und das wiederum wäre möglich, wenn wir kein wertvolles Pflanzenöl mehr im Benzin verbrennen, sagt Sven Selbert noch. Dazu muss man im Hinterkopf haben, dass in Deutschland 44 Prozent des Palmöls für Biodiesel verwendet werden. 33 Prozent gehen in Lebensmittel.

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Das wichtigste Argument für Palmöl ist, neben seinem hohen Ertrag, der perfekte Schmelzpunkt des Fettes. Palmöl wird bei 27 Grad Celsius flüssig, also mehr oder weniger bei Raumtemperatur.
Das gleiche gilt für Palmkernöl, das aus den Kernen der Ölfrüchte gewonnen wird. Es gehört zu den festen pflanzlichen Fetten und schmilzt bei 23 Grad.
Damit dürfte auch klar sein, warum diese leckere Schokolade immer so perfekt auf der Zunge zergeht. Wer Alternativen finden will, muss dieses Problem lösen.

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Ein palmölfreies Leben ist also möglich. Und es wäre auch falsch, Palmöl zu verteufeln. Der Baum selbst ist ziemlich harmlos.Ursprünglich wuchs er in den Regenwäldern Westafrikas.
Portugiesische Seefahrer brachten Kunde über die Palmen schon 1466 nach Europa. Knapp 200 Jahre später kam auch der erste Baum. Erst nach Europa, dann auch nach Asien.
Anfangs waren die Bäume nur Zierpflanzen. Weil sie aber mit viel Licht und Wasser auf lockerem Boden sehr gut wachsen können, waren die Bedingungen in Asien perfekt. Bei Temperaturen von etwa 25 Grad Celsius wachsen die Palmen auch sehr schnell. Und sie können alt werden, bis zu 120 Jahre.

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Palmöl ist nicht unbedingt ein schlechtes Produkt. Wie so viele andere Dinge, hatte auch das Palmöl das Pech, genau die Eigenschaften zu haben, die in der Industrie gefragt waren. Am Ende ist es also an uns, den Kunden, der Schlüssel zur nachhaltigen Palmölproduktion zu sein.
Wenn wir weniger und bewusster Palmöl verwenden, wird die Industrie nicht weiter wachsen. Wechseln wir also zu anderen, nachhaltigen oder lokal angebauten Öl-Produkten, können wir den verheerenden ökologischen Fußabdruck, den Palmöl heute hat, verkleinern. Das funktioniert auch, wenn wir weniger und bewusster Fleisch kaufen und das Auto häufiger stehen lassen.

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